1970er: Gesetze im Bildungswesen in Deutschland und Italien

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Die tiefgreifenden Veränderungen, die die 70er Jahre charakterisiert haben und (chrono)logische Folge der Proteste der 68er in ganz Europa waren, haben sich auf viele Bereiche ausgewirkt: von der Politik über den Sozialbereich und die Kultur bis hin zur Gesetzgebung. Nachdem wir bereits zu Arbeit und Soziales berichtet haben, widmen wir uns heute dem Bildungswesen…. 

Quelle: KAS Rom

Zu den großen Gesetzgebungsvorhaben der 1970er Jahre im Bereich des Bildungswesens, ist für Italien unter anderem das Gesetz, das die Vollzeitgrundschule einführte (Gesetz Nr. 820 vom 24. September 1971), zu nennen. Hierbei vor allem aber das Gesetz Nr. 517 vom 4. August 1977, das den Schulbesuch von Kindern mit Behinderung regelt. Mit diesem Gesetz werden nämlich die Sonderklassen für Kinder mit Behinderungen abgeschafft und es wird ihnen der Zugang zu allen Grund- und Mittelschulen ermöglicht.  Um diesen Regelungen nachzukommen, wurden außerdem neue Lehrinstrumente, wie spezialisierte Lehrer und Klassen mit nicht mehr als 20 Schülern, sowie spezialisierte Interventionen von Seiten des Staates und der lokalen Körperschaften eingeführt.

In Deutschland ist hier ohne Zweifel das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), das 1971 in Kraft tritt, zu nennen. Mit diesem Gesetz wollte man Kindern aus weniger wohlhabenden Familien den Zugang zu einer Ausbildung erleichtern. Das Gesetzesvorhaben wurde vom damaligen Kanzler Willy Brandt durchgesetzt und sah eine vollsubventionierte Studienbeihilfe ohne spätere Rückzahlung vor. Der Erhalt dieser Studienbeihilfen wurde außerdem gesetzlich garantiert, wodurch sie auch einklagbar waren.

1972 wurde die Oberstufenreform verabschiedet, die für die letzten zwei Jahre des Gymnasiums eine universitätsähnliche Struktur vorsah. So konnte der Schüler seine Fächer relativ frei wählen, wodurch die Klassenverbände aufgelöst wurden. Ebenfalls zu Beginn der 1970er Jahre wurde die Gesamtschule eingeführt. Innerhalb dieses Schulmodells wurden Schüler aller Altersklassen der Pflichtschule unterrichtet und es ist leichter von einem Schultyp in den anderen zu wechseln. Die Gesamtschule war bald eine Alternative zum traditionellen Schulmodell aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

Der Beitrag wurde von Valentina Faienza, Blog-Praktikantin, KAS Rom recherchiert.

[important]Übrigens[/important]

Von März bis Mai 2012 organisieren wir zusammen mit den römischen Universitäten LUMSA und LUSPIO eine Konferenzreihe zum Thema “Die 70er-Jahre in Deutschland und Italien: Krise und Transformation”.  Die Daten und Veranstaltungsorte findet ihr auf unserer Homepage. Aber auch hier werden wir in Kürze mehr zum Thema berichten!

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