Adenauers Geburtstag – Zu Besuch in Rhöndorf

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Konrad Adenauer ist am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Morgen hätte er also seinen 136. Geburtstag. Aus diesem Anlass berichtet Erhard Jauck, Staatssekretär a.D., Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus für unsere Rubrik “Was machen die anderen?” über die Arbeit der Stiftung, seine Lieblingsstücke aus der Sammlung und verrät uns, was Adenauer so gut an Italien gefallen hat.

Erhard Jauck, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus (Quelle: KAS)

(Katja Christina Plate) Was ist das besondere an der „Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus“?

(Erhard Jauck) Als Konrad Adenauer am 19. April 1967 starb, schenkten seine sieben Söhne und Töchter noch im gleichen Jahr das Wohnhaus des Bundeskanzlers mit seinem malerischen Garten und dem schriftlichen Nachlass der Bundesrepublik Deutschland, die mit der „Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus“ eine Gedenkstätte einrichtete und das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich machte. Somit wurde das belebte Wohnhaus zu einem lebendigen Museum, das seither bald drei Millionen Gäste aus aller Welt besucht haben.

Das Andenken an den Politiker, Staatsmann und Europäer Konrad Adenauer wach zu halten, ist die große Aufgabe der Stiftung. Dies geschieht durch das Museum, das aus dem original erhaltenen Wohnhaus und einer modernen Dauerausstellung besteht, durch die Betreuung und Erschließung des Nachlasses im Archiv der Stiftung und die wissenschaftliche Arbeit, mit der die Stiftung einen Beitrag zur deutschen und europäischen Zeitgeschichtsforschung leistet.

Fotos Bundeskanzler Adenauer Haus

Das Haus von Konrad Adenauer in Rhöndorf (Quelle: StBKA)

Welches Stück in der Sammlung der Stiftung ist Ihr persönliches Lieblingsstück?

In Adenauers Wohnzimmer liegen auf der Musiktruhe Nachbildungen von Dolch und Schwert Kaiser Karls V. Es war ein Geschenk der spanischen Regierung, das Adenauer bei der Rückkehr von seiner Reise auf die iberische Halbinsel im Februar 1967 dort abgelegt hatte.

Beide Stücke erzählen die wunderbare Geschichte des vereinten Europa. In Madrid hatte Adenauer gemahnt, Europa dürfe nicht ein Europa der sechs Gründerstaaten bleiben; auch Spanien müsse dazukommen wegen seiner geographischen Lage, seiner Geschichte, seiner Tradition und seines unersetzlichen Betrags zur europäischen Kultur. „Aber auch nach Osten müssen wir blicken“, setzte er seine Rede fort, „wenn wir an Europa denken. Zu Europa gehören Länder, die eine reiche europäische Vergangenheit haben. Auch ihnen muss die Möglichkeit des Beitritts gegeben werden. Europa muss groß sein, muss Kraft haben, muss Einfluss haben, um seine Interessen in der Weltpolitik zur Geltung bringen zu können“. Diese Aufforderung vom Februar 1967 sollte zu Adenauers europapolitischem Vermächtnis werden; zwei Monate später verstarb der Gründungskanzler. Sein Wunsch von damals ist heute Wirklichkeit. Und Konrad Adenauer hat gemeinsam mit Alcide De Gasperi und den anderen Vätern Europas den Grundstein dazu gelegt.

Adenauer hat viele Urlaube in Italien verbracht. Was, glauben Sie, hat ihm an diesem Land so gefallen?

Adenauers Urlaubsziel in den letzten zehn Jahren seines Lebens war Cadenabbia am Comer See. Dorthin zog es ihn in steter Regelmäßigkeit mehrere Wochen im Jahr, wobei die Akten des Kanzleramtes immer im Gepäck waren und viele politische Gespräche geführt wurden, so dass bald das Wort vom „Ersatz-Kanzleramt“ die Runde machte. Dennoch fand Adenauer in Oberitalien stets wohltuende Ruhe und Entspannung, genoss auf reizvollen Spazierwegen die wunderbare Landschaft des Comer Sees, die weiten Ausblicke und die südalpine Natur. Neben dieser besonderen Atmosphäre faszinierte Adenauer die bewegte Vergangenheit der Region ebenso wie die Geschichte und das reiche kulturelle Erbe Italiens insgesamt. Und schließlich lernte der Bundeskanzler in Cadenabbia das Boccia-Spiel kennen und lieben; fortan ließ er auch im Garten des Bonner Kanzleramts und daheim in Rhöndorf Boccia-Bahnen bauen. Auch mancher Baum und Strauch sowie zahlreiche Putten und Muschelkalkbrunnen erinnerten ihn dort an sein Urlaubsland. Bis heute entdeckt der Besucher der Gedenkstätte das italienische Flair des Gartens hoch über dem Rheintal.

Das Kurzinterview führte Katja Christina Plate schriftlich per EMail mit Erhard Jauck.

[important]Psssst – ein Geheimtipp[/important]

Morgen veröffentlichen wir das Rezept von Adenauers Lieblingskuchen und Fotos von uns, wie wir den Kuchen gebacken haben. Auf das Rezept hat uns netterweise die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus hingewiesen. Einen besonders herzlichen Dank also an unsere Freunde dort für die Unterstützung!

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