Das Problem mit der Mobilität in Rom

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Der durchschnittliche Hauptstädter ist durch das Auto versklavt: Wer in Rom lebt, kann nicht ohne Auto sein. Die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs, der auch im Jahr 2012 keine zuverlässigen Verbindungen garantiert, bleibt ein verzweifelter Versuch.

Alltäglicher Verkehr in Rom (Quelle: Glamismac)

Oft wird über die zahlreichen Möglichkeiten diskutiert etwas am öffentlichen Nahverkehr Roms zu verändern. Etwa von der Notwendigkeit, die Nutzung der privaten PKW zu Gunsten des Nahverkehrs zu begrenzen. Oder die Begünstigung von Radfahrern. Im Laufe der Jahre hat die Stadtverwaltung eine Reihe von Plänen für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung vorgelegt. So soll der Anteil der Schienenfahrzeuge nach und nach erhöht werden, Bike- und Carsharing soll eingeführt werden und eine „Meeres-Bahn“ soll möglich werden – eine Schiffsverbindung vom Tiber in der Stadt bis zum Hafen von Ostia.

Aber dem armen Bürger, der an ewige Wartezeiten an den Bushaltestellen gewöhnt ist und dem Fußgänger, der morgens das Haus verlässt und an jeder zweiten Kreuzung um sein Leben fürchten muss, vergeht das Lachen in Anbetracht solcher übertrieben scheinenden Ambitionen. Wer in Rom geboren wurde, oder einfach nur hier lebt, kennt die Realitäten – gerade in den Vororten – sehr genau. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind knapp und in den Stosszeiten ständig überlastet. Grundlegend Problem ist die wahllose und keiner Regel folgende Entwicklung rund um das historische Stadtzentrum. Seit `900 entstehen hier Siedlungen, die kaum oder schlecht an den öffentlichem Nahverkehr angebunden wurden. Bis heute ist in einigen Stadtvierteln die grundlegende Anbindung nicht gewährleistet.

Die starke Nutzung des Autos ist eine direkte Folge dieser Ineffizienz, weil sie dem Bürger den falschen Eindruck vermittelt, er könne im privaten PKW die Desorganisation des öffentlichen Nahverkehrs umgehen. Jedoch wurde gerade berechnet, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Autos in der Hauptstadt etwa 15 km/h beträgt. In Rom bewegt man sich damit genauso schnell fort wie vor hundert Jahren. Der alles lähmende Verkehr erlaubt nur zwei Fahrten pro Tag pro Kopf, wohingegen im Rest von Europa vier Fahrten möglich sind.

Man kann zwar darauf hingewiesen, dass die Stadt Rom sich auf dem Index für private und öffentliche Mobilität leicht positiv entwickelt. Dies liegt an Erweiterungen für das Metronetz und einer Straßenbahn. Der Nachhaltigkeitsindex der Hauptstadt sieht damit  tendenziell etwas besser aus als im italienischen Durchschnitt. Aber das ist nur ein schwacher Trost, wenn man auf den Rest Europas blickt. Berlin, eine Stadt nur 2/3 so groß wie Rom aber mit knapp gleich vielen Einwohnern, hat neun unterirdische Linien und 15 an der Oberfläche.

In jüngster Zeit jedoch scheint die mangelhafte öffentliche Nahverkehrsinfrastruktur, die der Hauptstadt im Jahr 2012 massiv schadet, die Stadtverwaltung besonders zu beschäftigen. Und so wird versucht, einige Projekte voranzutreiben: Die Verlängerung der Metro-Linie B und der Bau der Linien C und D, die den Verkehrsfluss in neue Bahnen lenken sollen.
Das Ziel für die nächsten Jahre muss es sein, die Baumaßnahmen so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. In Rom bedarf es gar keiner ausgefallenen neuen Ideen, es würde schon reichen „nur“ die bereits bestehenden zu vollenden.

[important]Rom hat ein durchschnittliches Pro-Kopf-Aufkommen von einem Auto pro Einwohner und zu Stoßzeiten finden rund 70% der 564.000 Fahrten mit privaten Fahrzeugen statt. Nur 27% davon mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Quelle: ISTAT). In Berlin dagegen kommt ein Auto auf 3,14 Einwohner. 32% der Fahrten finden mit dem eigenen Auto statt, 26% mit öffentlichen Verkehrsmitteln und 13% mit dem Fahrrad.[/important]

Der Beitrag wurde von Sara Stefanelli, Blog-Praktikantin im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung Italien, verfasst.

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