Das römische Naturerbe – Grünflächen in der Stadt

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Als Gegenmittel zu der starken Luftverschmutzung, die Rom genauso wie viele andere italienische Großstädte kennzeichnet, bedarf es Park- und Grünanlagen als „grüne Lungen“.  Rom hat soeben den Titel “Grünste Stadt Europas” errungen. 

Einer der Parks in Rom (Quelle: Geomangio)

68% der Stadtfläche Roms sind von Parkanlagen, Gärten und botanisch wertvollen Pinien bedeckt. In einigen der städtischen Grünflächen hat das Forstamt Baumdenkmäler wie z.B.  ausladende Orangenbäume, libanesischen Zedern oder andere orientalische Bäumen festgestellt. Diese trotzen seit Jahrhunderten Kriegen, Zement und Asphalt und der Luftverschmutzung. Diese Schätze gilt es zu bewahren.

In der Tat befindet sich die Stadt Rom in einer günstigen geographischen und ökologischen Ausgangsposition: Durchschnittlich sind 131,7qm Grünfläche pro Einwohner vorhanden. Allerdings wird diese Zahl von Struktur- und Organisationsproblemen relativiert. So tut sich die Stadtverwaltung beispielsweise schwer damit die Sicherheit in den städtischen Parks zu gewährleisten (Beispiel: Vandalismus in der Villa Borghese) sowie auch mit der Pflege des grünen Erbes.

Um den Erhalt und die Pflege der Grünflächen voranzubringen, braucht es konkrete Aktionen. Die Stadtverwaltung Roms plant deshalb, den Vororten in Sachen “Grün” mehr Aufmerksamkeit zu widmen und das Thema auch in den Schulen anzusprechen. Noch fehlen jedoch langfristige Ziele und entsprechend sind die Maßnahmen noch nicht ausreichend effektiv.

Vor kurzem kam ein neuer Trend aus den USA nach Rom:  „Guerrillia Gardening“. Eine Gruppe von Bürgern übernimmt dabei die Verantwortung für bestimmte Grünflächen, und verhindert so, dass diese verkommen. Von dieser Gefahr sind nämlich nicht nur kleine Grünflächen und Parkanlagen betroffen, sondern durchaus auch die majestätischen römischen Parks, “Villa” genannt. Diese neue und innovative Praxis hat auch den Vorteil, dass wichtige soziale Bindungen entstehen und die Gärten zu Orten der Freizeitgestaltung und Unterhaltung werden. Leider gibt es neben den Menschen, die ihre persönliche Freizeit in den Erhalt der Parks stecken, auf der anderen Seite diejenigen, die die Flächen mutwillig zerstören und verschmutzen.

Das Prädikat der “Grünsten Stadt Europas” nur zu erhalten ist nicht genug: Für die Einwohner Roms ist es sinnlos, flächenmäßig die größte städtische Grünflächen auf dem Alten Kontinent zu besitzen, wenn diese nicht öffentlich zugänglich. In der Tat sind zahlreiche grüne Flecken der Stadt in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Andere Städte Europas wie zum Beispiel Berlin, wo es eine weitaus geringere Zahl an Grünflächen gibt, konnten die vorhandenen Flächen aber zu Orten der öffentlichen Naherholung machen. In der deutschen Hauptstadt gibt es viele Möglichkeiten im Grünen zu Spazieren, zu Entspannen, Rad- oder Inlineskates-fahren. Fast jeder Park hat Spielplätze, Sportplätze, Bistros und manchmal sogar ein Theater und Freiluftkino.

In Rom werden zentrale Fragen des Stadtmanagements (ob nun Grünanlagen, Verkehr oder Abfall) nicht unbedingt dynamisch angegangen. Es bleibt die Erwartung, dass sich früher oder später schon irgendwas ändern wird – auch wenn man nicht weiß, in welche Richtung. Natürlich können mittels “Guerilla Gardening” – auch wenn es sich um eine bewundernswerte Initiative handelt –  nicht die Probleme der Stadt Rom im Bereich des Grünflächenverwaltung alleine gelöst werden: die Bemühungen von Wenigen würden durch die Nachlässigkeit der Vielen aufgehoben. Aber, vielleicht sind die privaten Initiativen ein Anfang, die die Stadtverwaltung zum Nachdenken und zum Handeln bringen.

Der Beitrag wurde von Sara Stefanelli, Blog-Praktikantin im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung Italien, verfasst.

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