EURES: Deutschland freut sich über italienische Facharbeiter

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Viele junge und weniger junge italienische Arbeitslose denken an die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen und dort nach  ihrem Studiengang einen zufriedenstellenden Arfbeitsplatz zu suchen. Die Tendenz,  den großen Sprung zu wagen,  ist längst verbreitet. Verschiedene europäische Länder nutzen dies. In Italien beginnt ein Wettstreit “bis zum letzten Kopf”…

In jüngster Zeit scheint Deutschland der Staat mit dem größten Bedarf an Fachkräften zu sein, vor allem in den Bereichen Automechanik, Elektronik und Informatik. Da es im Inland nicht ausreichend Fachkräfte gibt, sucht man im Ausland – in diesem Fall in Italien. In Apulien veranstaltete EURES  zu diesen Zweckin Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Informa zwei Informationstreffen, die am 30. September in Lecce bzw. am 1. Oktober in Bari stattfanden; die ZAV-Arbeitsagentur informierte dabei alle Interessierten über die Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland.

EURES hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Treffen zwischen Arbeitssuchenden und interessierten Arbeitgebern organisiert. Es ist ein Netzwerk der Zusammenarbeit, dank dessen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Prinzip der Freizügigkeit im Personenverkehr nutzen und Dienstleistungen schaffen können, mit denen die beiden Pole der Arbeitswelt in Kontakt treten können.

EURES hat durch Verbindung der Europäischen Kommission mit den Arbeitsorganisationen des europäischen Wirtschaftsraums ein Netzwerk mit 850 Beratern in ganz Europa geschaffen, die täglich Kontakt zu Arbeitssuchenden und Arbeitgebern haben.

In Italien hat das EURES-Netz die bestehende Kommunikationslücke zwischen dem einzelnen Arbeiter und den Personal suchenden Betrieben geschlossen. Wenn man diesen Begriff weiter ausdehnt, könnte man von Kommunikationsmangel zwischen Bildungswelt (Schule) und Arbeitswelt sprechen. Es ist also zwingend notwendig, dass die Ausbildung bei der Schule anfängt, und zwar mit Blick auf spezifische, von der Arbeitswelt gelieferte Anfragen. Wenn Italien den Aspekt des Dialogs weiterhin ignoriert, wird es sich gezwungen sehen im Ausland nach Spezialisten zu suchen – trotz der Arbeitslosen im Inland.

 Bezüglich dieses Zwiespalts zwischen Schule – also Ausbildung – und Arbeit sei darauf hingewiesen, dass es in Deutschland seit langem das System des “dual vocational training” gibt, das die Grundlage ist für die Solidität von Firmen wie Volkswagen, BMS, Mercedes. Diese Methode wurde uns von Dr. Carlo Sinisi, seit 2006 EURES-Berater für Apulien, erläutert, dem wir einige Fragen stellen konnten:

„Ist das dual vocational training das, was wir in Italien„Alternieren zwischen Schule und Arbeit“ nennen, eine Art direkt mit dem Schulzweig berufsbezogene Lehre? Mit 16 Jahren kann ein junger Deutscher wählen und sich der Arbeitswelt annähern. Im Laufe von 3 Jahren wird er dann in die Lage versetzt,  in seinem Fachgebiet zu arbeiten und entsprechend bezahlt zu werden. Im italienischen System ist der Wandel in dieser Richtung bereits im Gange: Die Schaffung der sog. ITS (Istituti Tecnici Superiori), die tatsächlich mit den Betrieben kommunizieren. Dies sollte sich mit der Zeit zu einem umfassenderen Bezugsmodell ausweiten.“

Zum Thema des notwendigen Dialogs zwischen Ausbildung und Betrieb fügte Sinisi hinzu: „Europäische Union bedeutet einen einzigen Arbeitsmarkt zu haben. In der Praxis bedeutet das, dass die Arbeitnehmer dorthin gehen, wo es Arbeit gibt. In dem Augenblick, wo die Arbeitsvermittlungen und vor allem das Bildungs/Berufsausbildungssystem in Italien wieder mit den Betrieben reden und den Fluss der Arbeitssuchenden rechtzeitig programmieren, wird es auch auf ganz natürliche Weise einen Anstieg der Beschäftigung im Inland geben. Dies wird geschehen, denn es gibt Berufsbilder, die die italienischen Betriebe nur schwer mit dem Binnenarbeitsmarkt abdecken können, da es nicht genügend Ausbildungskanäle dafür gibt. Sollte das nicht erfolgen, wird Europa Italien die Mittel des Europäischen Sozialfonds für die Beschäftigung streichen”.

Dieses System, des kontinuierlichen Kontakts, versucht EURES zu fördern. EURS legt seinen Schwerpunkt auf Begegnungen der „Spiel-Mannschaften“.

Bei dem Treffen ging es jedoch nicht einfach darum, eine zahlreiche, junge Zuhörerschaft zu informieren; es ging vielmehr um Fakten: Für diejenigen mit guten Deutschkenntnissen wurden unmittelbar Orientierungsgespräche von der ZAV veranlasst, mit dem Ziel, bereits vor Ort die Kandidaten auszuwählen, die vom deutschen Büro für internationale Stellenvermittlung für eine Zeit von sechs Monaten betreut werden. Gesagt – getan.

Apulien wurde nicht zufällig für diese Veranstaltung ausgewählt. „Im Laufe der Jahre“ – betonte Dr. Sinisi – zeigten sich die jungen Apulier immer besser vorbereitet, vor allem mit Blick auf die Sprachkenntnissen- Außerdem seien sie bereit, Italien zu verlassen. 1994 lag die Perspektive auf Arbeit im Ausland für apulische Universitätsabsolventen und Arbeitslose noch in weiter Ferne, im Gegensatz zu anderen Regionen wie Kalabrien und Sizilien; in den letzten 20 Jahren haben sich die konkrete Situation und das Bewusstsein jedoch radikal verändert. Mir ist das in den vergangenen 11 Jahren (1998-2009) immer klarer geworden, in denen ich in Bari die Auswahlverfahren für den Vergnügungspark Disneyland Paris gemacht habe: Anfangs waren nur ganz wenige Apulier unter den Kandidaten; 2009 waren die Kandidaten fast nur aus Apulien.“

Dieser Überfluss an Arbeitsangeboten aus dem Ausland hat aber auch große Verwirrung gestiftet, da dies den „Appetit“ betrügerischer Vermittler und Agenturen geweckt hatte, die auf diese Situation spekulieren. Und auch hier macht sich die positive Erfahrung von EURES bemerkbar, die mit ihrem enormen Kontaktnetz und der Möglichkeit, sich an die nationalen Berater zu wenden, Sicherheit und Zuverlässigkeit garantiert.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit wie jetzt,  ist es als positiven Aufruf zu verstehen, das Zusammentreffen von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zu fördern. Auch um den Preis das für Italien charakteristische Leben aufgeben zu müssen: „Haus und Laden beieinander“.

Ein Beitrag von Ettore Matteo Moruzzi, Observatorium der deutsch-italienischen Beziehungen (OGI). Übersetzt von Dorothe Wolf.

 

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