„Forza, Italia! Come ripartire dopo Berlusconi“

0

“Ich glaube nicht, dass ich ein unwissender Ausländer bin, wenn ich sage, dass Italien verändert werden kann.”

Diese Worte entstammen dem im Oktober 2010 herausgegebenen Buch von Bill Emmott „Forza, Italia! Come ripartire dopo Berlusconi“ (zu deutsch: „Vorwärts Italien! Wie man nach Berlusconi wieder beginnen kann“). Emmott, heute freier Journalist u.a. für die „Times“ und „La Stampa“, war von 1993 bis 2006 Direktor der englischen Wochenzeitung „The Economist“. Italienische Medien attackierten ihn in dieser Zeit mehrmals scharf aufgrund der Berichterstattung seiner Zeitung über Italien. „Il Giornale“ bezeichnete ihn – den Verfechter der liberalen Wirtschaftstheorie von Adam Smith – als Kommunisten und Anti-Italiener. Dass beides nicht der Wahrheit entspricht, belegt er durch sein Buch, in dem er sich auf die Suche der positiven zukunftsweisenden Kräfte in Italien macht.  Emmott geht es um das „dopo“, die Zeit nach Berlusconi – und ist damit aktueller denn je. Dafür präsentiert er am Ende seines Buches ein kurzes politisches Programm, welches die Eckpunkte notwendiger Reformen enthält.

Italien ist nicht zwischen Norden und Süden, sondern zwischen dem guten Italien („Buona Italia“) und schlechtem Italien („Mala Italia“) gespalten. Emmott macht sich auf eine Reise quer durch den Stiefelstaat, um das gute Italien kennenzulernen. Dabei führt er zahlreiche Gespräche, u.a. mit Giorgio Napolitano, Nichi Vendola, zahlreichen Unternehmern, Richtern und Studenten, mit dem Ziel, die Helden des guten Italien zu finden. Das schlechte Italien, welches sich in der organisierten Kriminalität, ineffizienter Verwaltung und Korruption zeigt, ist in den Medien, aber auch in den Köpfen vieler Italiener überpräsent. Zum guten Italien gehören innovative junge Unternehmer, mutige Journalisten, zivilgesellschaftliche Organisationen gegen das organisierte Verbrechen, effizient arbeitende Richter und Staatsanwälte, etc. Sie alle existieren in Italien und können ihren Beitrag zu einem Wandel leisten.

Emmots Vorschlag für ein Reformprogramm in Italien:

  • Reform des Wahlgesetzes hin zu einem Verhältniswahlsystem. Dies ist notwendig, da in Italien aufgrund tiefer gesellschaftlicher Gräben wichtige Entscheidungen nur konsensual, unter Einbezug aller relevanten Interessengruppen, gefällt werden können. Ein Verhältniswahlsystem soll deren Vertretung im Parlament garantieren.
  • Reform des Arbeitsrechts, die für Unternehmen kein Wachstumshindernis und für junge Menschen kein Hindernis für einen festen Arbeitsplatz darstellt. Dies soll durch die Integration von zeitlich begrenzten und unbegrenzten Arbeitsverträgen in ein gemeinsames Schutzsystem geschehen.
  • Im Justizwesen muss es Reformen hin zu mehr Transparenz und mehr Effizienz und Unabhängigkeit geben. Diese müssen aber unbedingt unter Einbindung aller relevanten Akteure und in einer guten Atmosphäre geschehen.
  • Viertens schlägt Emmott einen Ausbau des Wettbewerbs und der Wettbewerbskontrollbehörde in Italien vor. Mehr Wettbewerb wird mehr Offenheit und letzten Endes mehr Qualität für die Konsumenten bringen.
  • Außerdem sollen die Investitionen in das Humankapital erhöht werden. Dies umfasst eine Universitätsreform, den Ausbau des Breitbandinternets und die Förderung von Forschungseinrichtungen.

Markus Goller hat an der Universität Innsbruck Politik und Wirtschaft studiert. Im Jahr 2009 war er als Praktikant bei der KAS und hat anschließend die Vertetung von Silke Schmitt während ihres Mutterschutzes übernommen.

Jeden Montag besprechen wir auf unserem Blog Bücher, Filme, Ausstellungen etc. Und immer geht es dabei um Politik.

Teilen.

Eine Antwort hinterlassen