Wie wird Immigration in Italien wahrgenommen?

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“Transatlantic Trends 2011″ ist eine Reihenstudie, die sich mit der öffentlichen Meinung zum Thema Immigration in einer Reihe von europäischen Ländern und den USA befasst. Am vergangenen Donnerstag, dem 15. Dezember, wurden die Ergebnisse der Studie für Italien im Abgeordnetenhaus vorgestellt. Wir haben für Euch teilgenommen.

Wichtigste Partner der Initiative sind der German Marshall Fund, das Istituto Affari Internazionali, die Compagnia San Paolo und das Forum Internazionale /Europeo di ricerche sull immigrazione. Wir waren bei der Präsentation dabei. und haben zwei der Erkenntnisse festgehalten:

  • Die Wahrnehmung der Italiener bezüglich der Immigration hat sich seit letztem Jahr nicht verändert. D.h. die Immigration stellt für die Italiener kein größeres oder kleineres Problem als noch 2010 – sprich vor dem arabischen Frühling – dar. Angesichts der Wirtschaftskrise und der Flüchtlingswellen, die auf die Revolutionen in Nordafrika folgten, ist dieses Ergebnis recht überrachend. Generell jedoch ist die Anzahl der Personen, die die illegale Einwanderung als besorgniserregend betrachten, in Italien außergewöhnlich hoch (80%).  Emiliano Alessandrini vom German Marshall Fund und Laura Boldroni, Flüchtlingsbeauftragte der UNHCR bewerten dieses Ergebnis kritisch. Die Haltung der Italiener gegenüber Migranten ist ihrer Ansicht nach weniger von aktuellen Geschehnissen beeinflusst, sondern beruht vielmehr auf einer vorgefertigten Meinung und Stereotypen.
  • Es besteht eine große Differenz zwischen dem geschätzten Ausländeranteil in Italien (23,4%) und der tatsächlichen Zahl an ausländischer Bevölkerung im Land (7,5%). Dazu erläuterte Ferruccio Pastore von FIERI, dass der wahrgenommene Ausländeranteil stark von persönlichen Erfahrungen abhängt. Menschen, die selbst in Orten oder Stadtvierteln mit einem tatsächlich hohen Anteil an ausländischer Bevölkerung leben, überschätzen den Ausländeranteil in Italien deutlich.

Der Vorstellung der “Transatlantic Trends 2011″ folgte ein runder Tisch, an dem unter anderem auch die Abgeordneten Livia Turco und Alfredo Mantovano, sowie Paolo Beccegato als Vertreter der Caritas teilnahmen. Das rege Interesse des Publikums unterstrich die Aktualität des Themas und dessen Bedeutung.

Für nähere Informationen und die vollständigen Ergebnisse der Studie kann man sich an das Roper Center der Universität Conneticut (www.ropercenter.uconn.edu) wenden, oder den Katalog des interuniversitären Konsortiums für politische und soziale Forschung der Universität Michigan (www.icpsr.umich.edu) konsultieren.

Kathrin Werth nahm an der Präsentation teil und hat den Beitrag verfasst.

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